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VISIONSSUCHE - Das beste Geschenk, das ich mir machen konnte

Im März 2019 habe ich mir das beste Geburtstagsgeschenk meines Lebens gemacht.

DIE VISIONSSUCHE! 

Eigentlich wollte ich schon viel früher über dieses Erlebnis schreiben, dachte ich jedenfalls vor der Visionssuche. Im Anschluss an diese 12 Tage habe ich festgestellt, dass es erst einmal Zeit braucht um das Erlebte zu integrieren.

 

Was ist eine Visionssuche und wo hat sie ihren Ursprung? Warum begibt sich jemand auf dieses Abenteuer in der Natur?


Die Visionssuche ist ein uraltes Ritual, das in verschiedenen Kulturen auf ihre jeweilige Art und Weise gelebt wird. Es kann eine Initiation ins Erwachsen werden, ein Übergang von etwas Altem in etwas Neues sein oder eine Möglichkeit Antworten zu finden. Auf jeden Fall ist es ein Wendepunkt im Leben. Es ist eine Reise von tiefer Selbstfindung und Selbstheilung. Es ist nicht einfach eine Auszeit, es ist eine Reise zu sich selbst, eine Innenschau, ein Treffen mit Ängsten und Zweifeln, das mit dem  Geschenk von tiefen Erkenntnissen belohnt wird.

Meine Visionssuche war im schönen Tessin, auf über 1700 Höhenmeter und dauerte 12 Tage. Wir waren sechs Quester (Visionssucheteilnehmer) und wurden von zwei Leitern mit langjähriger Erfahrung begleitet und unterstützt. 

 

Diese Form der Visionssuche ist so aufgebaut, dass man die ersten 4 Tage gemeinsam unterwegs ist (Vorbereitung), durch das Medizinrad reist

(Beispiel Medizinrad Süden/ Link Info Medizinrad), anschliessend ist jeder Quester 4 Tage und 4 Nächte allein mit seinem Tarp und Schlafsack in der Natur und reist ebenfalls durch's Medizinrad, danach sind 4 Tage Integrationszeit angesagt, wiederum auf dem Medizinrad. 

 

Die ersten 4 Tage waren eine geniale Vorbereitung, denn es ist wichtig, dass man gut eingelebt und im Einklang mit der Natur ist. Bei Wind und Wetter haben wir Naturübungen gemacht und anschliessend einen Spiegel erhalten. 

Jetzt fragst du dich sicherlich, was das ist, eine Naturübung? Vereinfacht gesagt, wirklich sehr vereinfacht gesagt: Gehe mit einer Frage raus in die Natur und bitte um Antworten. Achte auf ein Zeichen, Pflanzen, Mineralien, Tiere, Gedanken, Ideen. Im Kreis erzählt man, was man erlebt hat und die Leiter Spiegeln einem das Erlebte. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie viel uns die Natur sagt, auch wenn wir meinen, wir haben nichts gesehen oder gehört.

 

Die 4 Vorbereitungstage waren so satt, dass ich mich auf 4 "Ruhetage" in der Natur freute. Endlich einfach mal nichts tun, schlafen, liegen, Ameisen beobachten, ALL-EIN SEIN.

Doch da waren auch Ängste, wilde Tiere, ein undichtes Tarp, wie halte ich es 4 Tage ohne Essen aus? Denn während den Solo-Tagen wird gefastet, es wird nur Wasser getrunken und nichts gegessen. Mit jedem Tag wurde mein Körper müder und kraftloser und ich brauchte immer länger um am Abend an den Buddy-Platz (Sicherheitssystem) oder zum Wasserdepot zu gehen. Gleichzeitig fühlte ich mich absolut gereinigt, leer und wohl. Der Hunger war selten präsent, vielmehr spürte ich ein grosses Freiheitsgefühl.

Jeden Tag schrieb ich auf, was ich fühlte, dachte, spürte, sah. Ich ging gedanklich mehrmals zurück in die 4 Vorbereitungstage und hatte viele Erkenntnisse zu den Naturübungen.

Die letzte Nacht der 4 Solo-Tage bezeichnet man als Wach-Nacht, was heisst, dass man die ganze Nacht auf bleibt und um eine Vision bittet. Dies kann auf ganz unterschiedliche Weise passieren, z.B. mittels einer tiefen Erkenntnis, wie es bei mir war.

Also packte ich zum Sonnenuntergang alle meine Sachen, baute das Tarp ab und wartete auf die Nacht. Bisher hatte ich jede Nacht wunderbar geschlafen, warm und wohlig in meinem Tarp im Schlafsack. Diese Wach-Nacht war saukalt, ich habe gefroren wie ein Schlosshund, was sicherlich auch auf die Müdigkeit und das Fasten zurückzuführen ist, denn es war eigentlich eine sehr warme Visionssuche. 
Also schaute ich in den Himmel, wartete auf die Dunkelheit und den Mond, hielt Ausschau nach den Sternen, stand auf und sang einige Zeit, Rasselte dazu und hüpfte in Mütze und Handschuhen und allem was ich anziehen konnte in meinem Steinkreis herum. Als ich müde wurde setzte ich mich wieder hin und schaute auf das kleine Wäldchen mir gegenüber. Es war noch nicht ganz dunkel und dennoch waren ohne Stirnlampe nur noch Schatten und Umrisse zu erkennen. Plötzlich sah ich etwas, es war gross und sah aus wie ein Bär!! Oh mein Gott! Läck hatte ich den Gagg in der Hosä! Ich schaute und schaute und konnte ja doch nicht mehr erkennen als ein dunkler Fleck. Bis ich gemerkt habe, dass sich dieser Bär keinen Millimeter bewegte. Also versuchte ich mich daran zu erinnern, was dort bei Tageslicht zu sehen gewesen war. Ein Busch. Tja, und so schnell können Kopf und die Ängste uns täuschen.

Das war Streich Nr. 1 der Wach-Nacht

 

Ich sass und sang und hüpfte noch einige Male während dieser Nacht, hockte dann aber frierend unter meiner Tarpblache und schaute, ob sich Mond und Sterne irgendwie bewegt hatten. Ich fror und dachte fast nur noch an die Kälte. Da fiel mir auf, dass der Mond schon sehr lange an der selben Stelle am Himmel hing. Der war ja immer noch am gleichen Ort!?Wie kann denn das sein? Wann wird es endlich hell und warum habe ich so kalt? Diese Gedanken kreisten eine ganze Weile in meinem Kopf herum und machten mich halb wahnsinnig, bis ich beschloss, einfach zu SEIN. 

Und das war Streich Nr. 2 in der Wach-Nacht.

 

Beim ersten Licht, als man die Farben erkennen konnte, dankte ich dem Platz und begab mich auf den Weg zurück ins Lager wo wir uns alle nach den Solo-Tagen wieder sahen. Etwas abgemagert, müde, vielleicht hungrig, voller tiefer Einsichten, mit der Reise zu sich selbst im Herzen. 

 

Nach der stärkenden Gemüsesuppe und dem Tee, konnten wir uns noch etwas hinlegen. An Schlaf war aber nicht zu denken, ich war müde und gleichzeitig voller Energie. Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, wie man sich nach diesen Solo-Tagen fühlt und was da genau passiert ist.

In den folgenden 4 Integrationstagen erzählte jeder Quester seine Geschichte, das Erlebte aus den Solo-Tagen und die Leiter gaben anschliessend den Spiegel dazu. Es war atemberaubend und spannend, wer was wie erlebt hatte und was die Leiter dazu sagten. Einfach erstaunlich! Wie gesagt, man muss das selber erlebt haben um es zu verstehen. 

 

Jetzt, ein Jahr später, nach dem 24h Solo, was sich als Rekapitulationsmöglichkeit sehr empfiehlt,  blicke ich erfüllt und voller Freude und Stolz auf meine Visionssuche zurück. Es ist so viel gutes und nährendes passiert während dem letzten Jahr. Ich konnte viele Knoten lösen und kann dieses Erlebnis jedem weiterempfehlen. 

 

Geh mutig deinen Weg, auch wenn's manchmal hart ist. 

 

Herzlichst, 

Fabienne

 

Visionssuche-Anbieter und Infos findest du z.B. hier: Samsara begegnen

  

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Annette Mertens (Samstag, 19 September 2020 12:45)

    Liebe Fabienne, das ist ja wahnsinn, was Du da gemacht hast! ich glaube, ich könnte meinem Körper eine solche Strapaze nicht zutrauen. Hast Du denn nun wirklich am Ende eine klare, konkrete Vision gehabt?
    Vielen Dank auf jeden Fall fürs Teilen dieser Erfahrung!

  • #2

    Fabienne (Samstag, 19 September 2020 15:20)

    Liebe Annette, vielen Dank. Es war eben mehr entspannend und sehr reinigend weder Strapaze. Und ja, die Vision/Erkenntnis hatte ich dann definitiv. ;-)
    Herzlichst,
    Fabienne

  • #3

    Nicole Auringer (Samstag, 19 September 2020 20:03)

    WOW :)
    Ich bin tief in mir berührt. Und es holt mich bei mir und der Idee, mich mal eine Weile ins Schweigen zu begeben ab...
    Danke für die Inspiration��

  • #4

    Fabienne (Samstag, 19 September 2020 20:19)

    Liebe Nicole, ganz herzlichen Dank, ich kann es nur empfehlen.
    Herzlichst,
    Fabienne

  • #5

    Thekla (Montag, 21 September 2020 13:52)

    Wow, wie mutig von dir!
    Dein Blogartikel inspiriert und motiviert mich das All-Eins-sein mal wieder intensiver in mein Leben einzubauen, danke Fabienne.

  • #6

    Fabienne (Montag, 21 September 2020 15:53)

    Liebe Thekla, ja mach doch das. Du wirst merken, welche Art für dich die richtige ist. Es tut so gut in der Natur zu sein. Lass es mich doch dann wissen, bin gespannt.
    Herzlichst,
    Fabienne